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Gurken vorziehen, pikieren & säen - Zeitpunkt (wann), Anleitung & Tipps vom Anzucht-Experten

21.01.2022 | Autor: Andy Köhler

Die Gurke (Cucumis sativus) ist eine der beliebtesten Gemüsesorten in deutschen Gärten. Zurecht, denn Gurken sind ein gesunder Snack und vielseitig einsetzbar, egal ob im Gurkensalat oder auf dem Brot. Die aus Indien stammenden Gurken werden seit mehr als 3000 Jahren angebaut. Seit dem 19. Jahrhundert sind sie auch in Deutschland im Gewächshaus zu finden. Gurken gehören zur Familie der Kürbisgewächse und ihre Früchte sind botanisch gesehen Beeren, weil ihre Samen direkt in das Fruchtfleisch eingebettet sind.

Generell wird zwischen Freiland- und Salatgurken differenziert. Während Salatgurken, auch unter dem Namen „Schlangengurken“ bekannt, in der Regel im Gewächshaus kultiviert werden, sind für das Freiland eher Einlege- und Schälgurken geeignet. Gurken zählen zu den einjährigen Pflanzen, die zunächst am Boden liegen, dann in die Höhe wachsen und je nach Sorte ein bis vier Meter lange Triebe bilden können. Salatgurken brauchen ein Rankgerüst zum Wachsen, während Feld- und Essiggurken im Beet am Boden liegend wachsen.

Warum und wann müssen Gurken vorgezogen werden?

Das Vorziehen von Gurken kann durchaus Vorteile mit sich bringen. Gurken lassen sich von der Keimung bis zur Ernte ziemlich lang Zeit. Durch das Vorkeimen wird den Gurken eine Starthilfe gegeben, die ihnen beim Auspflanzen einen Vorsprung gibt.

Solltet ihr euch für die Anzucht von Gurken entscheiden, stellt sich häufig die Frage nach der passenden Sorte, denn bei Gurken gibt es eine große Palette an verschiedenen Arten.

Das Vorziehen von Gurken kann entweder im Gewächshaus oder aber am Fenster erfolgen und bis zu vier Wochen andauern. Die Aussaat sollte nicht zu früh erfolgen, ein guter Start ist Ende März oder Anfang April. Freilandgurken sollten nicht vor Mitte April ausgesät werden, damit die Jungpflanzen in der Wohnung oder unter dem Glas nicht zu groß werden. Denn erst ab Mitte Mai dürfen sie ins Beet gepflanzt werden.

Hier findet Ihr unseren ausführlichen Aussaatkalender.

Ist Gurken pikieren notwendig?

Wenn du Gurken vorziehst, wirst du um das Pikieren kaum herumkommen. Wenn man die ersten 2 Blätter sehen kann, ist der richtige Zeitpunkt zum Pikieren gekommen, denn ab da beengen sich die Sämlinge gegenseitig. Durch das Pikieren schaffst Du mehr Platz für deine Pflanzen. Aber Vorsicht: vorgezogene Gurkenkeimlinge sprießen gerne schnell hoch. Wurzel und Stängel sind noch schwach und können beim Pikieren leicht abbrechen. Die zarten Gurkenkeimlinge reagieren sehr empfindlich auf Wurzelverletzungen.

Gurken richtig pikieren

 Gurken zu pikieren, ist nicht ganz einfach. Hierbei ist viel Feingefühl gefragt. Zuerst sollten die Pflanztöpfe mit gesiebter Pikiererde gefüllt werden. Anschließend wird in die Mitte ein kleines Pflanzloch mit dem Finger oder einem geeigneten Werkzeug, am besten mit einem Pikierstab, pikiert (gestochen). Zur besseren Wurzelbildung kann etwas Algensubstrat dazugegeben werden. Danach gräbst du den Keimling vorsichtig mit Löffel oder Pinzette aus und steckst ihn in die Pikiererde. Zum Schluss wird Pikiererde aufgefüllt und leicht angedrückt. Nur noch besprühen oder gießen – fertig. Die pikierten Pflanzen können nun ins Gewächshaus oder auf die Fensterbank gestellt werden. Um den „Umpflanzschock“ überleben zu können, sollten die Pflanzen vor Sonne und Zugluft geschützt werden.

Nach dem Pikieren können die Pflänzchen kräftiger wachsen. Nichtsdestotrotz müssen sie sich erst an das neue Umfeld gewöhnen. Sie bilden mehr Wurzeln, die sich stärker verzweigen. Je mehr Wurzeln, desto mehr Wasser und Nährstoffe können sie aufnehmen. Wenn die Außentemperatur um die 15°C beträgt, können die Pflänzchen tagsüber nach draußen gestellt werden. So können sie sich langsam an die intensivere Sonnenstrahlung und das Freilandklima gewöhnen.

Vom Keimling zur Gurke

Sind die pikierten Jungpflanzen etwa 20 Zentimeter groß, werden sie ab Ende März, Anfang April an ihren endgültigen Standort umgesetzt. Dazu einfach die Gurken mit dem kompletten Wurzelballen vorsichtig in Töpfe oder ins Beet pflanzen. Am besten so tief, wie sie im Pikiergefäß gepflanzt waren. Außer Wärme bedarf es jetzt etwas mehr Pflege, lauwarmes Gießen und Dünger.

Schritt für Schritt Anleitung - Gurken pflanzen ohne pikieren

Wenn du gern auf das Pikieren verzichten möchtest, empfiehlt es sich, Gurkensamen einfach gleich in Aussaatbehältnisse auszusäen, z.B. in Eierkartons oder handelsübliche Aussaattöpfe aus Torf. Diese Aussaattöpfe verrotten direkt im Boden, weshalb sie sich direkt mit den Keimlingen in den Garten oder ins Gewächshaus umpflanzen lassen. Damit das besser gelingt, habe ich für dich eine Schritt-für-Schritt Anleitung zusammengestellt:

Schritt 1

Für den Anbau von Gurken wird Erde benötigt, die reich an Nährstoffen ist. Deshalb empfehle ich dir, spezielle Anzuchterde zu verwenden. Nimm nun die selbstverrottenden Gefäße und befülle sie etwa bis zur Hälfte mit dieser Erde.

Schritt 2

Pro Gefäß säst du nun zwei bis drei Samen aus und bedeckst diese mit einer dünnen Schicht Erde. Sollte ein Zimmer-Gewächshaus vorhanden sein, dann ziehst du ein paar Rillen und bringst die Samen in mehreren Reihen aus. In diesem Fall den Deckel in den ersten Wochen überwiegend geschlossen halten, damit die Luftfeuchtigkeit optimal ist. Ab und zu sollte der Deckel zum Lüften abgenommen werden.

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Schritt 3

Wenn die Aussaat geschafft ist, dann ist es wichtig, dass die Sämlinge viel Licht und Wärme abbekommen, damit sie sich bestmöglich entwickeln können. Die Temperatur sollte zum Keimen bei mindestens 20°C liegen.

Außerdem muss die Erde stets feucht sein. In der ersten Woche ist es besser, wenn die Erde nur mit Wasser besprüht wird. Erst ab der zweiten Woche sollten sie dann richtig gegossen werden.

Schritt 4

Sobald die Blätter der kleinen Pflanzen über den Rand des Blumentopfes ragen, solltest du nur den kräftigsten im Topf lassen. Die anderen können entfernt werden, damit die kräftigste Pflanze optimal gedeihen kann. Anschließend sollte der Topf noch mit zusätzlicher Erde befüllt werden. Dadurch wird gewährleistet, dass die Sämlinge sogenannte Adventivwurzeln (zusätzliche Wurzeln) ausbilden und die Einwurzelung besser gelingen kann.

Anschließend musst du nur noch bis Mitte Mai warten und dann kannst du die Gurken auspflanzen.

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Verschiedene Gurkensorten

Die Gurke, bot. Cucumis sativus, ist eine Art aus der Pflanzengattung Gurken (Cucumis) aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Es gibt unzählig viele Gurkensorten, die nach Nutzung bzw. Verwendung eingeteilt werden:

  • Salat-oder Schlangengurke
  • Einlege- oder Gewürzgurke

Um dir einmal einen Überblick zu verschaffen und dir die Auswahl der richtigen Gurkensorte einfacher zu gestalten, habe ich hier einen kleinen Überblick mit einer Auswahl an Gurkensorten erstellt.

Die Bezeichnung „F1“ hinter dem Namen der Gurkensorte bezieht sich auf die sogenannten F1-Hybrid-Sorten. Dabei steht die „1“ für „erste Generation“. Die Kreuzung von zwei verschiedenen Gurkensorten vereinen die positiven Eigenschaften. So entstehen Hybride, die dann in der Regel robuster, widerstandsfähiger und auch geschmacklich besser als die Ursprungssorten sind. Außerdem sind sie frei von Bitterstoffen. Es werden auch Sorten von „Cucumis sativus“ gezüchtet, die aus ausschließlich weiblichen Pflanzen bestehen. Da diese Sorten auch ohne Bestäubung Früchte entwickeln, können sie höhere Erträge liefern.

Salat- oder Schlangengurken

Die Salatgurke ist fast jedem ein Begriff. Dabei handelt es sich um die am häufigsten angebaute Gurkensorte. Sie hat eine zylindrische Form und wird im Handel mit einem Gewicht von ungefähr 300 bis 400 Gramm verkauft. Sie ist im Handel auch unter dem Namen „Landgurke“ vorzufinden, wenn sie im Freiland angebaut wird.

Chinese Slangen:

Bei dieser Sorte wird der Freilandanbau empfohlen. Chinese Slangen besitzen ein sehr kleines Kerngehäuse und viel Fruchtfleisch.

Delikateß:

Bei dieser Gurkensorte handelt es sich um eine altbewährte Sorte (10-15 cm). Sie ist optimal zum Einlegen und zum frischen Verzehr geeignet.

Paska (F1):

Die Paska ist eine neue Sorte mit 20-25 cm langen Früchten und bildet ausschließlich weibliche Blüten. Sie liefert hohe Erträge und ist dabei äußerst robust gegen verschiedene Krankheiten.

Picolino (F1):

Diese Gurkensorte bringt kleine Gurkenfrüchte (8-12 cm) mit einem ausgezeichneten Geschmack, der frei von Bitterstoffen ist. Die Sorte kann sowohl im Gewächshaus als auch im Freiland kultiviert werden.

Zitronengurke Lemon:

Die Zitronengurke Lemon ist eine altbewährte Gurkensorte mit gelben Gurken-Früchten, kugelrund geformt und besitzt einen köstlichen Geschmack.


Einlege- oder Gewürzgurken

Gewürzgurken werden vorrangig im Freiland angebaut und nach der Ernte in Essigsud eingelegt. Die verschiedenen Gurkensorten haben dabei ein Gewicht von ungefähr 80 bis 150 Gramm und sind somit sehr viel leichter und kleiner als Salatgurken. Diese Sorten sind besonders interessant:

Carine (F1):

Die Carine ist eine relativ neue Sorte mit hohen Erträgen und guter Resistenz gegenüber Mehltau. Sie bringt frühreife Früchte und ein sehr aromatisches Aroma.

Charlotte (F1):

Auch diese Sorte ist neu auf dem Markt. Dabei handelt es sich um eine extrem robuste Einlegegurke mit exzellenten Fruchteigenschaften, ohne Bitterstoffe und kernlos.

Piccolo Di Parigi:

Diesealtbewährte Sorte aus Italien mit festem Fruchtfleisch bringt hohe Erträge. Zum Einlegen und für Salate eignet sich diese Sorte sehr gut.

Restina (F1):

Die frühreife Sorte Restina ist extrem robust und zeigt eine gute Resistenz gegen Mehltau, Krätze und dem Mosaikvirus.

Tornado (F1):

Hierbei handelt es sich um eine moderne Züchtung, die äußerst widerstandsfähig ist und einen hohen Ertrag bringt.

Vorgebirgstrauben:

Diese sehr robuste und rasch wachsende Einlegegurke bringt hohe Erträge und einen aromatischen Geschmack. 

Standort und Pflege

Freilandgurken brauchen einen feuchtwarmen, windgeschützten sowie vollsonnigen Standort. Der Boden sollte dabei locker sein, sich schnell erwärmen und nicht zum Verschlämmen neigen.

Auch Salat-oder Schlangengurken benötigen einen warmen und möglichst hellen Standort. Da sie einen hohen Wärmebedarf und eine lange Vegetationsperiode aufweisen, werden sie hierzulande fast ausschließlich im Gewächshaus angebaut. Bei Salatgurken im Gewächshaus sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht allzu sehr von anderen Pflanzen beschattet werden. In südlichen Regionen, in denen die Sonnenstrahlung stärker ist, sollten Gewächshäuser aus Blankglas gegen die pralle Mittagssonne schattiert werden. Sonst können die weichen Blätter besonders bei schlechter Wasserversorgung schnell verbrennen.

Ernte und Konservierung

Die ersten Früchte kannst du schon acht bis neun Wochen nach der Aussaat ernten. Umso häufiger gepflückt wird, desto reicher setzen die Gurkenpflanzen neue Früchte an. Bei Schlangengurken sind bis zu drei Erntegänge pro Woche notwendig, Essiggurken reifen fast täglich nach. Die frisch geernteten Früchte halten sich im Gemüsefach des Kühlschranks etwa eine Woche. Die Gurken sollten verzehrt werden, solange sie noch fest sind. Gurken können auch eingekocht werden. Auch durch Einlegen kannst du Freilandgurken gut konservieren. Zum Einfrieren eignen sich Gurken jedoch nicht.