Aussaat: Samen richtig aussäen, Schritt für Schritt
Von der Saattiefe bis zum Pikieren: so gelingt die Anzucht
- 1.Aussaat Schritt für Schritt: von der Erde bis zum ersten Gießen
- 2.Lichtkeimer, Dunkelkeimer, Kaltkeimer: so tief kommt das Saatgut in die Erde
- 3.Direktsaat oder Vorziehen: was für welche Kultur passt
- 4.Keimdauer und Keimtemperatur: wann die ersten Blätter kommen
- 5.Pikieren, vereinzeln, abhärten: vom Sämling zur Jungpflanze
- 6.Typische Fehler bei der Aussaat
- 7.Die richtige Erde und das Zubehör für die Aussaat
Ein Samenkorn, etwas Erde, Wasser und Geduld: mehr braucht es für den Anfang nicht. Die Aussaat ist der Moment, in dem aus einer Tüte Saatgut ein Gartenjahr wird. Aussaat heißt, Saatgut in die Erde zu bringen, damit daraus neue Pflanzen wachsen, ob im Anzuchttopf auf der Fensterbank oder direkt im Beet.
Damit aus dem Korn eine kräftige Pflanze wird, kommt es auf wenige Dinge an: die passende Saattiefe, die richtige Temperatur, gleichmäßige Feuchtigkeit und genug Licht nach dem Keimen. Wir zeigen dir die Aussaat Schritt für Schritt. Du erfährst, wann du direkt ins Beet säst und wann sich das Vorziehen lohnt, was hinter Lichtkeimern und Dunkelkeimern steckt und wie lange deine Samen zum Keimen brauchen.
Hier geht es um das Wie. Das Wann für jede einzelne Kultur steht in unserem Aussaatkalender für Gemüse, den du dir als PDF ausdrucken kannst.

Aussaat Schritt für Schritt: von der Erde bis zum ersten Gießen
Die meisten Fehler bei der Aussaat passieren früh: mit der falschen Erde, zu tief gelegten Samen oder einem warmen, dunklen Platz. Mit der folgenden Reihenfolge gelingt die Aussaat in Töpfen und Schalen zuverlässig. So säst du Samen richtig aus:
1. Saattüte lesen
Auf der Tüte stehen Aussaatzeit, Saattiefe und Abstand für genau diese Sorte. Diese Angaben gehen jedem Richtwert vor.
2. Gefäße mit Aussaaterde füllen
Nimm eine feine, nährstoffarme Aussaaterde, fülle Töpfe oder Schalen damit und drücke die Erde leicht an.
3. Erde anfeuchten
Feuchte die Erde vor dem Säen gleichmäßig an. Sie ist feucht, aber nicht nass.
4. Säen
Lege große Körner einzeln aus und verteile feines Saatgut dünn. Jeder Keimling braucht später Platz.
5. Bedecken oder nur andrücken
Dunkelkeimer bedeckst du mit Erde, höchstens dreimal so hoch, wie das Korn dick ist. Lichtkeimer drückst du nur an.
6. Vorsichtig gießen
Gieße mit einer feinen Brause oder einer Sprühflasche, damit kein Korn weggeschwemmt wird.
7. Hell stellen und beschriften
Je wärmer der Platz, desto heller muss er sein. Beschrifte jedes Gefäß mit Sorte und Datum.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Video von MDR Garten am Beispiel von Salat.

Tipps für eine gelungene Aussaat | MDR Garten
Dies ist ein Platzhalter von Youtube.
Klicken Sie hier, um das Video abzuspielen.
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Für die Saattiefe reichen zwei einfache Regeln, so lehrt es auch die Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Bedecke Samen nie höher als mit der dreifachen Samenstärke. Für Dunkelkeimer gilt: Samendicke gleich Saattiefe. Im Zweifel säst du lieber etwas flacher als zu tief.
Im Beet gelten dieselben Grundsätze, dort ersetzt ein feinkrümeliges Saatbeet die Aussaaterde. Je feiner der Samen, desto feiner muss die Erde sein. Wie du dein Beet im Frühjahr vorbereitest, bis die Krume fein genug für Möhren und Salat ist, zeigen wir dir in einem eigenen Beitrag.

Lichtkeimer, Dunkelkeimer, Kaltkeimer: so tief kommt das Saatgut in die Erde
Lichtkeimer brauchen Licht, damit die Keimung überhaupt startet. Ihre Samen drückst du nur an und bedeckst sie nicht mit Erde. Bei Dunkelkeimern hemmt Licht die Keimung, sie brauchen eine Schicht Erde über sich.
In vielen Listen ist jedes Gemüse entweder Lichtkeimer oder Dunkelkeimer. So eindeutig ist es nicht: die Samen der meisten Gemüsearten und Küchenkräuter keimen sowohl bei Licht als auch in Dunkelheit. Das zeigen die Keimversuche im Fachwiki Hortipendium. Bei den meisten Kulturen entscheidet also die Saattiefe und nicht das Licht.
Kultur | Keimtyp | Saattiefe |
|---|---|---|
Basilikum | Lichtkeimer | höchstens leicht bedecken |
Sellerie | Lichtkeimer | 0,5 bis 1 cm |
Dunkelkeimer | 1 bis 1,5 cm | |
Dunkelkeimer | 1 bis 1,5 cm | |
Dunkelkeimer | 2 cm | |
Dunkelkeimer | 3 cm | |
Dunkelkeimer | 3 cm | |
Dunkelkeimer | 4 cm | |
keimt hell und dunkel | 1 cm | |
Petersilie | keimt hell und dunkel | 1 cm |
keimt hell und dunkel | 1 cm | |
keimt hell und dunkel | 3 cm | |
keimt hell und dunkel | 3 cm | |
Bärlauch | Kaltkeimer | 1,5 cm |
Richtwerte für die Aussaat. Steht auf deiner Saattüte etwas anderes, gilt die Tüte.
Bei Kopfsalat gehen die Angaben auseinander: mal steht er als Lichtkeimer in der Liste, mal als Dunkelkeimer. Für die Praxis spielt das keine Rolle. Säe Salat flach, 5 bis 10 Millimeter tief, und bedecke ihn nur dünn.
Kaltkeimer, früher Frostkeimer genannt, brauchen vor der Keimung eine Kältephase: in der Regel vier bis acht Wochen bei 1 bis 5 Grad, und zwar mit bereits gequollenen Samen. Dieses Vorbehandeln heißt Stratifizieren. Im Gemüsegarten betrifft es kaum eine Kultur: von den Arten in der Tabelle ist nur Bärlauch ein Kaltkeimer, häufiger sind Kaltkeimer unter den Stauden.

Direktsaat oder Vorziehen: was für welche Kultur passt
Direktsaat heißt: du säst an Ort und Stelle ins Beet, und die Pflanze wächst dort bis zur Ernte. Beim Vorziehen, auch Vorkultur genannt, keimen die Samen geschützt im Haus, im Frühbeet oder im Gewächshaus. Erst als Jungpflanze ziehen sie ins Freie.
Vorgezogen werden vor allem wärmeliebende Kulturen. Tomaten, Paprika, Zucchini, Kürbis und Gurken dürfen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland. Die Vorkultur gibt ihnen den Vorsprung, den sie für eine Ernte im Sommer brauchen. Wenn du Tomaten vorziehen oder Zucchini vorziehen willst, gehen wir die einzelnen Schritte in eigenen Anleitungen mit dir durch.
Für die Direktsaat zählt die Bodentemperatur mehr als das Datum. Möhren säst du ab Ende Februar oder Anfang März, sobald der Boden wärmer als 7 Grad ist. Palerbsen lassen sich schon bei 2 bis 5 Grad Bodentemperatur säen, Markerbsen brauchen 5 bis 8 Grad. Buschbohnen kommen ab Mitte Mai in die Erde, wenn der Boden mindestens 10 Grad hat, besser 12 bis 15.
Wenn du Bohnen säen willst, lohnt sich also die Geduld bis nach den Eisheiligen. Radieschen sind dagegen früh dran: sie keimen schon ab 5 Grad und eignen sich als Markiersaat. Dafür mischst du ein paar Radieschensamen unter langsam keimende Möhren oder Petersilie, dann siehst du die Reihe früh.
Möhren, Radieschen, Spinat und Erbsen sind die Klassiker für die frühe Direktsaat. Unser samenfestes Bio-Saatgut für den Start ins Beet haben wir dir hier zusammengestellt.
Reihensaat, Breitsaat, Horstsaat
Bei der Reihensaat säst du in flache Rillen, höchstens 1 bis 2 Zentimeter tief, schiebst sie zu und drückst die Erde an. Das erleichtert später das Hacken und Jäten. Bei der Breitsaat streust du die Samen breitwürfig über das Beet und harkst sie ein, das braucht mehr Saatgut und macht die Pflege schwieriger. Bei der Horstsaat legst du Gruppen von etwa fünf Samen in größerem Abstand aus, so wie bei Buschbohnen üblich.

Keimdauer und Keimtemperatur: wann die ersten Blätter kommen
Wie schnell ein Samen keimt, hängt vor allem an der Temperatur. Radieschen brauchen bei 5 Grad vier Wochen, bei 20 Grad sechs Tage. Die Tabelle zeigt für die wichtigsten Kulturen, bei welcher Temperatur sie am besten keimen und wie lange es dauert.
Die Werte sind Richtwerte aus dem Gemüsebau. Im Beet dauert es oft länger: Möhren brauchen je nach Witterung bis zu vier Wochen, bis etwas zu sehen ist. Paprika hat es gern warm: 25 Grad sind für ein zügiges Keimen optimal, kühlere Temperaturen verzögern die Keimung und erhöhen die Fäulnisgefahr.
Erbsen und Bohnen kannst du vorquellen lassen: etwa 12 bis 24 Stunden in Wasser beschleunigen die Keimung.
Wenn nichts keimt
Oft liegt es am Alter des Saatguts. Kühl und trocken gelagert bleiben Samen unterschiedlich lange keimfähig: Petersilie 2 bis 3 Jahre, Bohne, Erbse, Kopfsalat und Möhre 3 bis 4 Jahre, Kohlarten, Radieschen und Spinat 4 bis 5 Jahre, Gurke und Kürbis 5 bis 6 Jahre. Bei ungünstiger Lagerung gilt die kürzere Zeit.
Sicherheit gibt eine Keimprobe: säe eine abgezählte Zahl Körner zur Probe aus und zähle nach zwei bis drei Wochen, wie viele gekeimt sind. Keimt weniger als die Hälfte, lohnt sich die Aussaat nicht mehr. Dann ist frisches Saatgut die bessere Wahl. Unsere Gemüsesamen sind samenfest, du kannst von deinen Pflanzen also später selbst Samen nehmen.
Pikieren, vereinzeln, abhärten: vom Sämling zur Jungpflanze
Nach dem Keimen erscheinen zuerst die Keimblätter. Sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, wird pikiert: du setzt die Sämlinge einzeln in eigene Töpfe, damit sie Platz zum Wachsen haben. Tomaten sind etwa drei Wochen nach der Aussaat so weit.
Zum Pikieren hebst du den Sämling mit einem Pikierstab samt Wurzel aus der Erde und setzt ihn in ein vorgestochenes Loch im neuen Topf. Die Pikiererde darf etwas mehr Nährstoffe enthalten als die Aussaaterde. Danach brauchen die Pflanzen Wasser, Licht und Platz, die Temperatur darf etwas sinken.
Wer sich das Pikieren sparen will, sät von Anfang an einzeln in kleine Töpfe oder Multitopfplatten.
Im Beet heißt derselbe Schritt vereinzeln. Zu dicht stehende Sämlinge ziehst du heraus, bis jede Pflanze genug Platz hat.
Bevor vorgezogene Jungpflanzen ins Beet ziehen, härtest du sie ab. Stell sie bei warmem Wetter tagsüber nach draußen und hol sie über Nacht wieder ins Haus. So gewöhnen sie sich an kühlere Temperaturen und frische Luft. Frostempfindliche Arten wie Tomate und Gurke pflanzt du erst nach den Eisheiligen Mitte Mai aus.

Typische Fehler bei der Aussaat
Lang, dünn und blass: so sehen Sämlinge aus, die zu wenig Licht bekommen. Fachleute sprechen vom Vergeilen. Die Ursache lässt sich auf eine Formel bringen: je wärmer, umso heller muss der Standort sein. Die Fensterbank ist oft nicht hell genug und zugleich zu warm.
Solche Jungpflanzen sind nach dem Auspflanzen anfällig für Krankheiten. Stell sie heller und kühler, und beginne mit der Anzucht nicht zu früh im Jahr. Wie du vergeilte Pflanzen retten kannst, liest du in unserem Beitrag zum Geilwuchs. Die anderen häufigen Fehler kennst du jetzt schon: zu tief gesät, zu altes Saatgut und zu früh ausgepflanzt.
Die richtige Erde und das Zubehör für die Aussaat
Eine gute Aussaaterde ist steril, nährstoffarm, humos und durchlässig. Normale Blumenerde und selbst gemischte Erde erfüllen das meist nicht ohne Weiteres. Achte auf einen niedrigen Salzgehalt: als Richtwert gelten weniger als 0,5 Gramm je Liter.
Wenn du deine Anzuchterde selber machen willst, zeigen wir dir die Mischung samt Sterilisieren Schritt für Schritt. Schneller geht es mit torffreien Kokos-Quelltabletten: du lässt sie in Wasser aufquellen, und die Erde ist gebrauchsfertig.
Viel mehr brauchst du nicht: Töpfe oder eine Schale mit Deckel, einen Pikierstab und Schilder zum Beschriften. Das Wichtigste aus unserem Anzucht-Zubehör haben wir dir hier zusammengestellt.
Damit hast du alles beisammen: die passende Erde, die richtige Saattiefe, Wärme zum Keimen und Licht danach. Der Rest ist Beobachten. Schau jeden Tag nach deinen Töpfen, halte die Erde feucht und pikiere, sobald die ersten Laubblätter da sind.
Wann welche Kultur an der Reihe ist, verrät dir unser Aussaatkalender. Und dann: Tüte auf, Erde an die Hände und los.



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