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Bild von Pflanzen pikieren: Anleitung, Zeitpunkt und passen

Pikieren: Pflanzen Schritt für Schritt richtig vereinzeln

Vom Keimblatt bis zum eigenen Topf: Zeitpunkt, Erde, Pflege

13.10.2026 | Autor: Kevin Schwabe

In der Saatschale wird es eng: Blatt an Blatt drängen die Sämlinge ans Licht. Jetzt ist es Zeit zum Pikieren. Pikieren heißt, zu dicht stehende Sämlinge herauszunehmen und einzeln mit mehr Abstand neu zu setzen. So bekommt jede Pflanze Platz, Licht und frische Erde.

Der Handgriff gehört zu jeder Anzucht, die in einer Schale beginnt. Wie die Aussaat Schritt für Schritt gelingt, zeigen wir dir in unserer Grundlagen-Anleitung. Hier geht es um den nächsten Schritt: vom dichten Grün in der Schale zur kräftigen Jungpflanze im eigenen Topf.

Wir zeigen dir, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, welche Erde sich eignet und wie du Schritt für Schritt vorgehst. Dazu kommt eine Übersicht, welche Kulturen du pikierst und welche du besser gleich einzeln säst.

 

Dicht stehende Sämlinge in der Saatschale kurz vor dem Pikieren

 

Kurz erklärt: Pikieren

Pikieren heißt, dicht stehende Sämlinge einzeln in eigene Töpfe zu setzen.

Der Zeitpunkt ist da, wenn neben den Keimblättern zwei Laubblätter zu sehen sind.

Die Erde darf etwas nährstoffreicher sein als Aussaaterde und ist beim Pikieren feucht.

Danach stehen die Jungpflanzen hell und etwas kühler als zuvor.

 

Was bedeutet Pikieren und warum pikiert man?

Pikieren ist das Verpflanzen von zu dicht stehenden Sämlingen auf größere Abstände. Das Wort stammt vom französischen piquer, auf Deutsch stechen. In der Anzucht meinen Pikieren und Vereinzeln dasselbe.

Der Grund ist einfach: in der Schale keimen viele Samen auf engem Raum. Wachsen die Sämlinge dort weiter, fehlen ihnen bald Licht, Luft und Nährstoffe. Im eigenen Topf hat jede Pflanze Platz für ihre Wurzeln und bekommt Erde, die mehr Nährstoffe enthält als die Aussaaterde.

Pikieren, ausdünnen, umtopfen
Im Beet heißt Vereinzeln auch Ausdünnen. Dort ziehst du aus einer zu dichten Reihe einzelne Pflanzen heraus, bis der Abstand stimmt, und setzt sie nicht neu. Beim Umtopfen zieht eine Pflanze samt Wurzelballen in einen größeren Topf.

Sparen lässt sich das Pikieren auch: wer von Anfang an einzeln in kleine Töpfe oder Multitopfplatten sät, muss später nichts trennen. Bei manchen Kulturen ist das sogar der bessere Weg, mehr dazu in der Übersicht weiter unten.

 

Wann pikieren: der richtige Zeitpunkt

Nach dem Keimen erscheinen zuerst die beiden Keimblätter. Sie sehen bei vielen Arten anders aus als das spätere Laub. Der Zeitpunkt zum Pikieren ist gekommen, wenn neben den voll entfalteten Keimblättern zwei Laubblätter zu sehen sind, also Blätter in der typischen Form der Pflanze.

Richte dich nach den Blättern und nicht nach dem Kalender. Wie viele Tage bis dahin vergehen, hängt von Kultur und Temperatur ab. Tomaten sind etwa drei Wochen nach der Aussaat so weit. Auberginen pikierst du schon im Keimblattstadium.

Keimblätter erkennst du daran, dass sie paarweise erscheinen, meist glatt und schlicht geformt sind und dem späteren Laub kaum ähneln. Sobald zwischen ihnen das erste Blatt in der typischen Form der Pflanze erscheint, kannst du die Töpfe vorbereiten.

Warte nicht länger als nötig. Je länger die Sämlinge im Gedränge stehen, desto knapper werden Licht, Luft und Nährstoffe. Früher lohnt es sich auch nicht: erst zwei Laubblätter zeigen dir, dass der Sämling bereit ist.

 

Zwei Sämlinge im Vergleich: nur Keimblätter und erste Laubblätter

 

Welche Erde zum Pikieren?

Zum Pikieren nimmst du eine Erde, die etwas mehr Nährstoffe enthält als die Aussaaterde. Aussaaterde ist bewusst nährstoffarm. Nach dem Pikieren brauchen die Pflanzen mehr Nahrung, und die Erde darf dann etwas Dünger enthalten.

Als Richtwert dient der Salzgehalt, der auf vielen Erdsäcken steht: Aussaaterde liegt unter 0,5 Gramm je Liter, zum Pikieren sind bis zu 1,5 Gramm je Liter in Ordnung. Beim Düngen gilt für Jungpflanzen: weniger ist mehr. Etwas reifer Kompost in der Erde reicht für den Start.

Wenn du deine Anzuchterde selber machen willst, zeigen wir dir die Mischung Schritt für Schritt. Feuchte die Erde vor dem Pikieren gut an, in der Saatschale genauso wie in den neuen Töpfen. Aus feuchter Erde lösen sich die Wurzeln leichter.

 

Pflanzen pikieren: Anleitung Schritt für Schritt

Du brauchst Töpfe, Pikiererde, Wasser und einen Pikierstab aus Holz. Ein Bleistift oder ein schmaler Löffelstiel tut es zur Not auch. So pikierst du Schritt für Schritt:

 

Anleitung: Pflanzen pikieren in 7 Schritten

1. Töpfe füllen
Fülle Töpfe mit 8 bis 10 Zentimetern Durchmesser mit Pikiererde und drücke sie leicht an. Jede Pflanze bekommt ihren eigenen Topf.

2. Erde anfeuchten
Feuchte die Erde in der Saatschale und in den Töpfen gut an.

3. Pflanzloch stechen
Stich mit dem Pikierstab ein Loch in die Mitte des Topfes, tief genug für die ganze Wurzel.

4. Sämling herauslösen
Fahre mit dem Stab unter die Wurzeln und heble den Sämling vorsichtig aus der Erde. Nimm die kräftigsten Pflanzen.

5. An den Blättern halten
Fasse den Sämling an den Keimblättern an und nicht am Stängel.

6. Einsetzen und andrücken
Setze die Wurzel gerade ins Loch, sodass alle Wurzeln nach unten zeigen, und drücke die Erde von der Seite her an.

7. Angießen und hell stellen
Gieße die Erde und nicht die Pflanze. Dann kommen die Töpfe zurück an ihren hellen Platz.

 

Wie und wann pikiert wird, zeigt auch das Video von SelfBio.

Youtube Video Wie und wann pikiert man Jungpflanzen? Warum pikieren und nicht direkt in Töpfe säen?

Wie und wann pikiert man Jungpflanzen? Warum pikieren und nicht direkt in Töpfe säen?

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Welche Töpfe passen
Tomaten, Paprika, Chili und Auberginen ziehen in eigene Töpfe mit 8 bis 10 Zentimetern Durchmesser. In der Regel reicht ein Topf mit 10 Zentimetern. Salat, Kohlrabi, Kohl und Sellerie pikierst du platzsparend in eine Schale, nur eben mit mehr Abstand als bei der Aussaat.

Wie tief setzt du die Pflanze
Das hängt von der Kultur ab. Tomaten setzt du tiefer als zuvor: die Erde reicht bis dicht unter die Keimblätter. Auch Brokkoli kommt bis an die Keimblätter in die Erde. Bei Sellerie und Kohlrabi gilt später im Beet das Gegenteil: sie dürfen nicht zu tief stehen.

Wurzeln kürzen
Sehr lange Wurzeln darfst du einkürzen. Der Erhaltungsverein Arche Noah rät in seinem Infoblatt zum Pikieren zu 2 bis 3 Zentimetern, mit einem scharfen Messer oder einer Schere. Das regt das Wurzelwachstum an. Zwingend ist der Schnitt nicht: wichtiger ist, dass die Wurzel gerade im Loch sitzt.

 

Pflanzen pikieren: Sämling wird mit dem Pikierstab aus der Erde gehoben

 

Pikierstab und Werkzeug

Ein Pikierstab ist ein schlanker, spitz zulaufender Stab. Mit der Spitze stichst du das Pflanzloch und hebelst den Sämling samt Wurzel aus der Schale. Das geht genauer als mit den Fingern.

Unsere Pikierstäbe sind aus Holz. Du bekommst sie in mehreren Holzarten, von Buche über Ahorn bis Hickory.

Dazu kommen Töpfe, Schilder zum Beschriften und eine feine Brause zum Angießen. Töpfe aus Zellulosefasern pflanzt du später mitsamt der Jungpflanze ins Beet. Pikierstab, Anzuchttöpfe und das übrige Zubehör für die Anzucht haben wir dir hier zusammengestellt.

 

Welche Pflanzen pikiert man und welche nicht?

Pikiert wird, was dicht in Schalen gesät wird und länger im Haus bleibt: Tomaten, Paprika, Auberginen, Kohl, Salat und Sellerie. Kürbisgewächse säst du besser gleich einzeln in Töpfe. Wurzelgemüse kommt direkt ins Beet und wird dort nur ausgedünnt.

 

Pikieren oder nicht: die wichtigsten Kulturen

Kultur

Pikieren

Darauf achten

Tomate

ja

etwa drei Wochen nach der Aussaat, tief setzen

Paprika

ja

in Töpfe mit 8 bis 10 cm

Chili

ja

in Töpfe mit 8 bis 10 cm

Aubergine

ja

schon im Keimblattstadium, danach bei 18 °C

Kohlrabi

ja

nicht kälter als 14 bis 16 °C stellen

Brokkoli

ja

bis an die Keimblätter setzen

Kopfsalat

ja

in der Schale mit mehr Abstand

Sellerie

ja

nicht kälter als 14 bis 16 °C stellen

Gurke

besser einzeln säen

zwei Samen je Topf, den schwächeren Keimling entfernen

Zucchini

besser einzeln säen

zwei Samen je Topf, den schwächeren Keimling entfernen

Kürbis

besser einzeln säen

zwei Samen je Topf, den schwächeren Keimling entfernen

Möhre

nein, Direktsaat

in der Reihe auf 4 bis 7 cm ausdünnen

Pastinake

nein, Direktsaat

in der Reihe auf 15 bis 20 cm ausdünnen

Radieschen

nein, Direktsaat

direkt ins Beet säen

Die Links führen zu unseren Anleitungen für die einzelnen Kulturen.

 

Gurken, Zucchini und Kürbisse säst du direkt in einzelne Töpfe, je zwei Samen. Geht beides auf, entfernst du den schwächeren Keimling. Trennen und neu setzen lohnt sich hier nicht: das beschädigt die Wurzeln und schwächt die Pflanzen. Kürbis und Zucchini lassen sich auch direkt ins Beet säen: direkt gesäte Pflanzen wachsen meist robuster als vorgezogene.

Möhren, Pastinaken und Radieschen gehören zur Direktsaat. Stehen sie in der Reihe zu dicht, dünnst du aus und lässt die kräftigsten Pflanzen stehen. Neu gesetzt werden die herausgezogenen Pflänzchen nicht.

Kohlrabi, Blumenkohl, frühe Kohlarten und Sellerie stehen nach dem Pikieren nie kälter als 14 bis 16 Grad. Sonst schießen sie später im Beet, statt Knollen und Köpfe zu bilden.

 

Nach dem Pikieren: gießen, Licht, abhärten

Nach dem Pikieren brauchen die Jungpflanzen vor allem Licht. Die Temperatur darfst du jetzt etwas senken. Stehen die Töpfe zu warm oder zu dunkel, werden die Pflanzen bleich, dünn und weich. Solche Jungpflanzen sind nach dem Auspflanzen anfällig für Krankheiten und wachsen im Beet langsamer an.

Gärtner nennen das Vergeilen. Wie du vergeilte Pflanzen retten kannst, liest du in unserem Beitrag zum Geilwuchs.

Gieße weiter die Erde und nicht die Blätter, und halte sie gleichmäßig feucht. Dünger brauchen die Pflanzen in frischer Pikiererde zunächst nicht.

Die häufigsten Fehler beim Pikieren
Am häufigsten passiert der Fehler unter der Erde: Zeigen die Wurzeln beim Einsetzen nach oben, müssen sie erst wieder nach unten wachsen, bevor die Pflanze weiterwächst. In unserer Erfahrung steht sie nach dem Pikieren deshalb oft zwei bis drei Wochen still. Achte darauf, dass alle Wurzeln nach unten zeigen.

Dicht danach folgt zu langes Warten: im Gedränge der Schale werden die Sämlinge schwach. Trockene Erde macht es schwer, die Wurzeln heil herauszulösen. Wer am Stängel anfasst, quetscht ihn leicht. Und wer die Töpfe danach warm und dunkel stellt, bekommt lange, weiche Triebe statt kompakter Jungpflanzen.

Bevor die Jungpflanzen ins Beet ziehen, härtest du sie ab. Stell sie bei mildem Wetter tagsüber nach draußen und hol sie über Nacht wieder herein. Frostempfindliche Arten wie Tomaten und Gurken pflanzt du erst nach den Eisheiligen Mitte Mai aus.

 

Frisch pikierte Jungpflanzen in einzelnen Töpfen an einem hellen Fenster

 

Pikieren ist kein Kunststück. Es braucht den richtigen Moment, feuchte Erde und eine ruhige Hand. Wer die Sämlinge rechtzeitig trennt, zieht Jungpflanzen heran, die im Beet zügig weiterwachsen.

Fehlt dir noch der Anfang, hilft dir unsere Anleitung zur Aussaat weiter. Und wenn du nachsäen willst: unsere samenfesten Gemüsesamen in Bio-Qualität warten schon auf die nächste Schale.

Häufige Fragen