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Tomaten ausgeizen | richtig | Anleitung | Bilder | Video

Tomaten ausgeizen: So geht es richtig! (Anleitung, Bilder & Video)

24.08.2022 | Autor: Andy Köhler

Tomaten anzubauen, erfreut sich hierzulande großer Beliebtheit. Die Pflanzen gedeihen an nahezu jedem sonnigen Platz - sei es im Gewächshaus, im Garten oder auf dem Balkon. Du brauchst nicht viel gärtnerische Vorerfahrung oder besonderes Equipment, um die schmackhaften Nachtschattengewächse großzuziehen. Viel gießen, genügend Licht und Liebe sind bei der Tomatenzucht das A und O. Dazu kommt das Ausgeizen der Tomatenpflanzen bevor sie Früchte tragen. Was genau das bedeutet und wie es am besten funktioniert, wollen wir dir hier zeigen. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung und Videos zum Tomaten ausgeizen kann gar nichts schiefgehen. Also ab ins Beet oder an die Töpfe und fröhliches Ausgeizen!

Tomaten ausgeizen - was heißt das?

Für viele Laien mag der Begriff “Ausgeizen” merkwürdig klingen. Der Duden erklärt den Begriff folgendermaßen:

Bedeutung 

 "Nebentriebe (Geize), die die Entwicklung des Haupttriebes beeinträchtigen, entfernen"

Geiztriebe sind die Triebe, die in den Blattachseln wachsen. Sie sollten frühzeitig entfernt werden, damit der Haupttrieb seine gesamte Energie zum Wachsen und letztendlich zur Fruchtbildung verwenden kann. 

So erkennst du Geiztriebe:

Fürs Ausgeizen braucht man kein bestimmtes Werkzeug. Es ist vollkommen ausreichend, wenn du den kleinen Trieb so weit unten wie möglich mit Daumen und Zeigefinger abknipst. Wenn dies nicht gelingt, weil der Trieb schon zu stark ist, kannst du ihn auch abbrechen. Bei einem Härtefall musst du dir ein Messer zu Hilfe holen. 

Tipp

Die Verletzung an der Pflanze sollte so klein wie möglich bleiben. Jede offene Wunde bietet Platz für Krankheitserreger, die eindringen und der Tomatenpflanze schaden können.  

Muss man Tomaten ausgeizen oder nicht?

Hat man seine Tomatenpflanzen extra Anfang des Frühjahrs vorgezogen und freut sich über die ersten zarten Triebe, fragt man sich natürlich, warum man die Pflanze eben jener berauben sollte. 

Garten-Moni erklärt im Video, wieso man Tomaten ausgeizen sollte:

Youtube Video

Die Antwort ist eigentlich ganz schlüssig. Je mehr Triebe die Pflanze hat, desto mehr Masse ist vorhanden, die versorgt werden muss. Die Geiztriebe wachsen später als der Haupttrieb und sie entwickeln mehr Blätter und weniger Blüten. Zwar bilden sie auch Tomaten aus, diese sind aber kleiner und weniger aromatisch. Daher auch das Wort “ausgeizen” - die Triebe geizen mit ihrem Ertrag. In Mitteleuropa ist die Vegetationsphase recht kurz - der Pflanze bleibt weniger Zeit, die Tomaten vollständig reifen zu lassen. 

Aber es gibt auch noch andere Gründe, weswegen die Befreiung von den kleinen Seitentrieben wichtig ist:

  • Gewicht: 

Geizt man seine Pflänzchen nicht aus, werden die Geiztriebe immer länger und hängen mit der Zeit herab. Dies liegt zum einen daran, dass die Blätter einiges wiegen und zum anderen daran, dass auch die Geiztriebe Früchte tragen. Die Triebe müssten abgestützt werden, damit sie nicht abbrechen - du hast also mehr Arbeit.

Das Thema Ausgeizen betrifft nicht nur die Tomate - lies in unserem Ratgeberbeitrag, wieso es sich auch lohnt, Gurken auszugeizen. 


Samen für Ananastomaten und Ochsenherztomaten erhältst du in unserem Online-Shop.

  • Ertrag: 

Viele moderne Tomatenpflanzen bilden so viele Triebe und am Ende auch Blüten aus, dass sie gar nicht in der Lage sind, jeden Teil zu versorgen. Das Ergebnis, wenn du nicht ausgeizt:  viele kleine unreife Tomaten. Wir möchten aber, dass dir deine Pflanze große aromatische Paradeiser (so sagen die Österreicher) schenkt. In diesem Sinne gilt hier: Weniger ist mehr. 

  • Auslichten:

Die meisten Gärtner wissen, dass Tomatenpflanzen viel Sonne und Wasser zum Wachsen benötigen. Bildet die Pflanze aufgrund nicht ausgegeizter Triebe zu viele Blätter, bekommen die kleinen Tomaten nicht ausreichend Licht. Außerdem kann das Laub der Pflanze nicht schnell genug trocknen, wenn es mal in einen Regenguss gekommen ist. Dies kann zu Pilzbefall führen. Deswegen darf man Tomaten immer nur von unten gießen und schützt sie am besten vor Wasser von oben.

  • Pflege:

Gerade, wenn du dich für die Aufzucht deiner Tomatenpflanzen im Topf entschieden hast, sollten diese mit Hilfe von Stäben hochgebunden werden, damit sie schön gerade nach oben wachsen können. Zu viele Triebe erschweren diese Arbeit. Auch das Ernten ist später einfacher, wenn du eine stabile, gerade Pflanze hast, die große, aber dafür weniger Tomaten hat. Die Geiztriebe wären nur im Weg und du hättest weniger Freude beim Pflücken.

  • Fläche:

Eigentlich ganz logisch, aber nicht außer Acht zu lassen: Je weniger Triebe eine Pflanze hat, desto weniger Platz braucht sie. Besonders in Gewächshäusern ist genügend Raum für die Pflanzenzucht nicht zu unterschätzen. Außerdem kann man so auf einfache Art ein paar mehr Pflanzen anbauen. Also achte darauf, die Geiztriebe früh abzuknipsen, um jedem Gewächs genug Luft zu ermöglichen. 

Wusstest du…?

...in der Regel haben Strauch- bzw. Buschtomaten kleinere Früchte als stabförmig wachsende (Stabtomaten). 

So funktioniert das Tomaten Ausgeizen 

Im Video siehst du sehr anschaulich, wie einfach das Ausgeizen von Tomatenpflanzen ist:

Youtube Video

Beginne mit dem Ausgeizen am besten früh. Früh bedeutet an dieser Stelle: Du hast deine Pflanzen im Frühjahr vorgezogen und sie bilden die ersten Triebe und Ästchen. Genau dann, auch wenn der Trieb nur ein Blatt hat, entfernst du dieses. Man knipst die Triebe, die in der Blattachsel wachsen, behutsam mit Daumen und Zeigefinger ab. Achte darauf, dass möglichst wenig Pflanzensaft an deine Finger kommt. 

Hinweis!

Beim Ausgeizen musst du unbedingt darauf achten, dass du nicht den Pflanzensaft der einen Tomatenpflanze an die nächste weitergibst. So minimierst du die Übertragung möglicher Krankheiten. Wasche also Finger oder Messer nach jeder Pflanze ab.

Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, deine Tomatenpflanzen beim Wachsen zu unterstützen. Strauchtomaten kannst du die Spitze entfernen. Damit verhinderst du, dass die Pflanze unnötig in die Höhe wächst und neue Früchte bildet, die nicht mehr reifen können. Das Entspitzen nimmt man sich in der Regel für Ende August vor, wenn die Kraft der Sonne nachlässt. 

Diese Sorten sollte man ausgeizen

Die Meinungen darüber, ob man Tomaten ausgeizen sollte oder nicht, gehen wie so oft in der Welt der Gärtner ganz schön auseinander. Wir von Beetliebe raten dir: Ja! Tu es! Es ist eine einfache Arbeit mit einem riesigen Nutzen für die Pflanze und somit auch für dich und deine Ernte. Hauptsächlich Sorten mit großen Früchten und Stabtomaten (eintriebig) werden diesem kleinen aber effektiven Eingriff unterzogen, aber auch andere Tomatenarten freuen sich darüber. An sich gibt es keine Tomatensorten, die nicht ausgegeizt werden sollten. 

Tomatensorte

Art

Früchte

Ausgeizen

Sibirisches Birnchen 

Cocktailtomate

klein

ja ✔️

Ruthje 

Cocktailtomate

groß

ja ✔️

Romatomaten

Rispentomate

groß

ja ✔️

Philamina 

Cherrytomate

klein

nicht unbedingt 

Ananastomate 

Rispentomate

groß

ja ✔️

Principe Borghese 

Cherrytomate

klein

nicht unbedingt

San Marzano 

Rispentomate

groß

ja ✔️

Harzfeuer Tomate 

Stabtomate

mittel

ja ✔️

Black Cherry Tomate 

Cherrytomate

mittel

ja ✔️

Phantasia 

Stabtomate

mittel

ja ✔️

Cocktailtomaten 

Cocktailtomaten

klein

ja ✔️

Ochsenherztomaten

Stabtomate

groß

ja ✔️

Der perfekte Zeitpunkt, um Tomaten auszugeizen 

Gehen wir davon aus, dass du deine Pflänzchen vom Samen bis zur Ernte betreust. Du beginnst also Anfang bis Mitte März mit der Aussaat der Tomatensamen. Eine große Auswahl an Bio-Samen findest du in unserem Online-Shop.

Mitte Mai dürfen die Zöglinge dann raus an die frische Luft. Sobald die ersten Seitentriebe wachsen, solltest du mit dem Ausgeizen der Pflanzen beginnen. Je früher du die Geiztriebe abknipst, desto weicher sind sie und desto leichter klappt das Entfernen. Werden sie größer, bilden sie eine Rinde und ihr Umfang nimmt zu - im Ernstfall musst du hier ein Messer zu Hilfe nehmen. Achte darauf, dass du den austretenden Pflanzensaft nicht von einer zur nächsten Tomate trägst - so vermeidest du die Übertragung von möglichen Keimen. 

Im Video findest du 12 hilfreiche Tipps zum Thema Tomatenpflege:

Youtube Video
 

Der perfekte Zeitpunkt zum Ausgeizen ist also im Frühjahr, wenn die ersten Seitentriebe spießen. 

So oft sollten Tomaten ausgegeizt werden: Wir empfehlen dir, mindestens 1x pro Woche nach Geiztrieben zu schauen und diese zu entfernen.

Hinweis!

Ein sonniger Morgen ist am besten, um Tomaten auszugeizen. Die Sonne sorgt dafür, dass die Wunde, die an der Pflanze entsteht, schnell trocknet und sich keine Keime einnisten. 

Geiztriebe als Stecklinge verwenden

Wir verstehen absolut, dass es ein wenig wehtun kann, wenn man die kleinen Triebe von der Mutterpflanze trennt. Aber Beetliebe wäre kein nachhaltiges bio-zertifiziertes Unternehmen, wenn wir nicht auch für die aussortierten Geiztriebe eine Verwendung hätten. Diese kann man nämlich super einpflanzen und neue Pflänzchen aus ihnen züchten.
Die kleinen Triebe mögen lockere Erde, diese kann auch gern etwas sandig sein. Dort steckst du sie  gleich nach dem Abknipsen hinein. Halte die Erde schön feucht - so fühlen sich Tomatenstecklinge am wohlsten. Nass dürfen sie allerdings nicht sein, das tut den Wurzeln nicht gut.

Im Beetliebe Online-Shop findest du eine große Auswahl an Anzuchtsets speziell für Tomaten, aber auch für andere Gartenpflanzen. 

Eine andere Variante ist, die kräftigen Geiztriebe so lange in ein Glas Wasser zu stellen, bis sie Wurzeln bilden und sie dann einzupflanzen.

Aus den abgebrochenen Trieben kannst du auch eine wertvolle Tomatenjauche machen. 

Hinweis!

Wenn du ganz genau wissen möchtest, wie du Tomaten vorziehst, lies den Artikel in unserem Ratgeber

Das Ausgeizen kann auch Nachteile haben

So toll das Ausgeizen für die meisten Tomatensorten ist - manche mögen es gar nicht. Welche das sind, wieso das so ist und welche Nachteile das Ausgeizen haben kann, wollen wir in diesem Abschnitt erklären.

Du solltest wissen, ob du Stabtomaten oder Strauchtomaten (auch Buschtomaten) anbaust. Typische Sorten sind:

Stabtomaten

Strauchtomaten

Katinka

Fuzzy Wuzzy

Indigo Rose

Ampeltomate

König Humbert

Bianca

Ochsenherz

Banana Legs

Valencia

Maglia Rosa

Der Unterschied zwischen Stab- und Strauchtomaten ist, dass Stabtomaten sich eher nach oben ausdehnen und Strauchtomaten in die Breite wachsen. Stabtomaten benötigen für ihr Wachstum gen Sonne einen Stab oder eine Rankhilfe zur Unterstützung. 

>> Einige Stabtomatenpflanzen können bis zu 2m hoch wachsen! <<

Strauchtomaten hingegen stoppen das Wachstum nach oben und wachsen stattdessen in die Breite. Hier haben auch die Seitentriebe (die bei Stabtomaten größtenteils ausgegeizt werden) viele Blütenstände, die am Ende tolle Früchte bringen. Deswegen raten wir davon ab, Busch- oder Strauchtomaten auszugeizen (entspitzen ist hier die bessere Variante - evtl Sprungmarke). 

Nachteile des Ausgeizens:

  • Tomaten wachsen weiter in die Höhe, sind nicht mehr stabil und können schneller abbrechen → müssen gestützt werden

  • Pflanze wird verwundet, Krankheitserreger können eindringen → Stress für Pflanzen

  • je nach Wuchs bedeutet Ausgeizen Zeitaufwand

  • Unterschied zwischen Seitentrieb & Triebspitze für Anfänger schwer zu erkennen

Häufige Fragen